Peter Fox

Peter Fox
Orchester mit Sahne. Was der deutschen Popmusik bisher gefehlt hat.
Ein Besuch bei Peter Fox im Studio von Marcus Staiger
In einer Szene auf seiner letzten DVD sitzt ein berühmter US-Musiker in seinem Privatflugzeug auf dem Weg nach Miami, ins Studio eines genauso berühmten Produzenten und beginnt über die Vorzüge seines Berufs zu reden. Natürlich denkt man sofort, dass nun das übliche Geschwätz über Geld und Reichtum kommt. Yachten hier, Autos dort, Privatflugzeug bla,bla. Doch dann sagt der Herr etwas ganz Erstaunliches. Er sagt: „Das größte Privileg in meinem Beruf ist es, mit Menschen zusammen arbeiten zu dürfen, die jeden Tag kreativ sind.“
Auch wenn ich nicht im entferntesten Jay Z heiße, so bin ich doch froh, dieses Privileg ebenfalls zu haben.
Ich treffe Peter Fox in seinem Studio in einem Kreuzberger Hinterhof. Billardsalon, Kampfsportschule. Alles genau so, wie man es sich vorstellt. Peter kommt mit dem Fahrrad. Wie auch sonst? Wir betreten das Studio. Die Luft steht. „Hast Du geheizt?“. Nein. Die Klimaanlage ist nicht an und die Geräte produzieren so viel Wärme. „Zu viel heiße Musik, wa?“ Ich erspare uns den Kalauer und wir setzen uns vor dem riesigen Regiepult gegenüber. Es beginnt ein langes Gespräch, das von den Anfängen einer 11-köpfigen Kapelle, einer Jugend in Lichterfelde West, verlorener Liebe und viel von Musik handelt.
Peter erzählt mir die Geschichte, dass er eigentlich kein Soloalbum machen, sondern ein Album für eine andere Stimme produzieren wollte. „Ich sehe mich in erster Linie als Produzent. Ich singe eigentlich nur aus der Not heraus, weil damals kein anderer singen wollte. Du kennst das ja. Frauen wollen immer singen und ans Mikrophon. Männer wollen immer Schlagzeug, Gitarre oder Bass spielen. Zumindest bei uns war das so. Später merkte ich, dass Singen bei den Bräuten sehr gut ankommt und dann fand ich’s natürlich auch geil.“ Aber so richtig? – Stets war der Gesang Mittel zum Zweck, immer ein bisschen hinten dran und während Peter seine Beats für Ferrari hält, dachte er von seiner Stimme und den Lyrics eher VW.
Also begab er sich auf die Suche nach einer Ferrari Stimme. Gefunden im amerikanischen Rap-Sing-Irgendwas Genie Cee-Lo Green. Zu diesem bestand reger und herzlicher Kontakt, seit Cee-Lo vor 2 Jahren einen Part beim Song „Aufstehn“ von Seeed beigesteuert hat.
„Cee-Lo hatte auf jeden Fall Bock was zu machen“, doch was dann folgte könnte als eine der schönsten Anekdoten in die Musikgeschichte eingehen. Cee-Lo Green war ein bisschen beschäftigt und erklärte: „Ok. Ich habe hier noch ein Projekt mit Danger Mouse am Laufen, aber danach habe ich auf jeden Fall Zeit und dann können wir das Album machen.“ Daraus wurde nichts. Das Projekt mit Danger Mouse nannte sich Gnarls Barkley und einen Welthit später sah die Welt ganz anders aus.
Der Produzent aus Germany war zwar nicht in Vergessenheit geraten, aber das kleine Projekt von Cee-Lo Green und Danger Mouse wurde zum weltweit gefeierten Exportartikel und Gnarls Barkley zu Superstars. Tja. So kann’s gehen.
Plötzlich war also die Ferrari Stimme weg und weil ein Ersatz nicht wirklich in Sicht war, dachte sich Peter: „Ok wenn schon VW Stimme, dann wenigstens meine eigene.“ Und ab da kam das Projekt erst richtig in Fahrt.
2 Schlagzeuger wurden in einer dreiwöchigen Megasession in einem Studio in Frankreich aufgenommen, weil es nicht zur Debatte stand, irgendwelche Drumsounds zu samplen, sondern ein eigener Sound kreiert werden sollte.
Syntheziser waren auch verboten. Orchester war die Ansage. Es wurden eigene Melodien und Streicher-Riffs entworfen aber auch hunderte von alten Platten unter die Lupe genommen und DJ Illvibe forschte nach verborgenen Schnipseln, Streichersätzen und Bläsergruppen, die dann wiederum als Grundlage für einen Arrangeur dienten, der das Ganze umschrieb, um es vom Babelsberger Filmorchester einspielen zu lassen. Die Messlatte lag hoch.
Peter tat sich mit einem Co-Texter (Monk) zusammen, mit dem er sich gedankliche Bälle zuwarf, der ihn korrigierte und dem er auch – was bei ihm selten ist – stilistisches Vertrauen entgegen brachte. Wo es früher reichte, dass eine Text-Zeile von drei richtig gut sein musste, so wurde jetzt über ein Jahr an den Texten gefeilt, bis diese auch wirklich für sich stehen konnten. Die Ansprüche waren gestiegen.
Das Ziel war klar. Das Album sollte krachen und knallen. Keine halben Sachen. Erstklassig produziert. Selbstverständlich mit Pathos. Ohne Peinlichkeiten. Alles neu für deutsche Musik.
Dafür war kein Aufwand zu groß und nichts zu teuer. Schließlich hat Peter Fox alles vorgestreckt und selbst bezahlt. Die ganze Produktion. – Warum? – „Ich habe mit Seeed Geld verdient. Und weil ich jetzt nicht so den krassen Lifestyle habe, war davon auch noch ein bisschen was übrig. Meine Musik ist das einzige, von dem ich denke, dass mein Geld da gut angelegt ist. Und deshalb habe ich das gemacht.“
Musikproduktion als Geldanlage? – Ansonsten eine wackelige Angelegenheit. In diesem Fall und mit diesem Album aber eine gute Wahl. – Eine sehr gute Wahl. Yeah!
Quelle: www.peterfox.de
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